Das Herzensgebet

Mein Herzensgebet ist jetzt das Mantra “Maranatha”, (Der Herr ist hier, Komm Herr!, Gott ist hier, Lass mich meine wahre Natur erkennen.) das von der Weltgemeinschaft meditierender Christen (WCCM) verwendet wird. Mein Buch “Christliches Mantra” handelt davon. Der Vorteil gegenüber dem Jesusgebet ist hier, dass es für den Geist neutral ist und nicht die alte Formel “Erbarme dich meiner” verwendet, die den Unterschied zwischen Christus und uns im Geist festschreibt. Es gibt nur einen Geist und alle Wesen sind Teil davon.

1. Das Jesusgebet erlernen

Altabt Emmanuel Jungclaussen

Das Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, ist ein besonders in der Orthodoxen Kirche weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name Jesu Christi angerufen wird. Altabt Emmanuel Jungclaussen (Niederaltaich) ist der wohl bekannteste Lehrer dieser Gebetsform in Deutschland.

Denjenigen, die den Weg des Jesusgebetes gehen wollen, empfiehlt Abt Emmanuel folgende fünf Punkte zu beachten. Gut wäre auch – wenn möglich – ein Seelsorger, der selber Erfahrungen mit dem Gebet gemacht hat, als geistlicher Begleiter auf dem Weg des Erlernens. – Die Empfehlung von Altabt Emmanuel:

Ganz Christus gehören

Wer den Weg des Jesusgebetes gehen will, muss sich als erstes über seine Motive klar werden. Der Pilger ging ihn im Gehorsam gegenüber dem Wort der Bibel “Betet ohne Unterlass” (l Thess 5, 17).

So darf auch ich letztlich das Jesusgebet nur üben aus dem Verlangen heraus, Christus zu gehorchen, um – durch die innere Umwandlung mittels dieses Gebetes – Ihm ganz zu gehören, und nicht etwa, um in erster Linie etwas für mich zu haben und geistlich genießen zu können, mit dem geheimen Wunsch, dadurch der Probleme des Alltags enthoben zu sein.

Christus hören

Solches Gehorchen-Wollen setzt voraus, dass ich mit allem Ernst anfange, auf Christus zu hören, und daher versuche, durch die regelmäßige Lesung des Neuen Testamentes, zumal der vier Evangelien, mich mit Seinem Wort und Seiner Person immer mehr vertraut zu machen. Auf diese Lesung sollte ich mindestens genau so viel Zeit verwenden wie auf die Übung des Jesusgebetes.

Behutsam anfangen

Was nun die Übung selbst anbetrifft, so geht es dabei um einen sehr behutsamen Anfang, indem ich zunächst täglich eine kurze Zeitspanne von etwa 7 – 10 – 15 Minuten für das Jesusgebet ausspare, die ich später auf ungefähr 30 Minuten ausdehnen kann, ein- oder zweimal am Tag.

Von diesen Zeiten eigens festgesetzter Übung wird sich dann das Jesusgebet wie von selbst ganz allmählich über den Tag hin ausbreiten. Auf keinen Fall sollte man das gewaltsam zu erzwingen suchen. Es wird bald ohnehin genügend Situationen in meinem Leben geben, in denen das Jesusgebet sich mir geradezu aufdrängt.

Auf den Atem lauschen

Die körperliche Haltung während der eigentlichen Übungszeit sei aufrecht sitzend, gesammelt, aber nicht verkrampft – auf einem Stuhl, auf dem Boden, in einer Kirchenbank. Man kann auch knien. Wichtig ist, dass ich die Haltung als Gebetshaltung bewusst und ehrfurchtsvoll einnehme, im Gedanken daran, dass Christus mir dabei innerlich näher ist als ich mir selbst.

So lausche ich auf meinen Atem, gleichsam als dem Odem Gottes in mir, und lasse vom Atem her, wie vom Heiligen Geist selber rein innerlich gesprochen, in einem beständige Fließen ruhig und sanft die Worte kommen: “Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner!”, wobei sich die Worte bald von allein auf das Ein- und Ausatmen verteilen.

Weg der bedingungslosen Hingabe

Bei aller praktischen Übung ist jedoch zu bedenken, dass die Bitte um das Erbarmen des Herrn der Weg einer bedingungslosen Hingabe ist; denn nur Er weiß wirklich, wessen ich bedarf, um Ihm ganz zu gehören. Dieses Erbarmen kann daher unter Umständen einen äußerst schmerzlichen Läuterungsprozess mit sich bringen. “Jesus” ist alles was wir sagen müssen.

2. Bischof Kallistos Ware Schreibt:

Es gibt eine Art des privaten Gebetes, welche im Westen seit der Gegenreformation weite Verbreitung fand und die nie ein charakteristischer Bestandteil der orthodoxen Spiritualität war – die formale “Meditation”, welche nach einer “Methode” – der ignatianischen, sulpicianischen, salesianischen oder einer anderen – praktiziert wird. Die Orthodoxen werden ermutigt, die Bibel oder die Kirchenväter langsam und mit Überlegung zu lesen; doch solch eine Übung, die zwar insgesamt als hervorragend zu bezeichnen ist, wird weder als Bestandteil des Gebetes betrachtet, noch ist sie systematisiert und zu einer “Methode” reduziert worden. Jedem wird nahegelegt, auf die Art und Weise zu lesen, die ihm am meisten zusagt.

Während jedoch die Orthodoxen keine begriffliche Meditation praktizieren, haben sie eine andere Form des persönlichen Gebetes, welches viele Jahrhunderte hindurch eine außerordentlich wichtige Rolle im Leben der Orthodoxie gespielt hat – das Jesus-Gebet:

“Jesus”- das genügt in unserer Kommanderie

Da den Orthodoxen manchmal nachgesagt wird, dass sie der Person des inkarnierten Christus nicht genug Beachtung schenken, lohnt es sich, darauf hinzuweisen, dass dies – gewiß das “klassischste” aller orthodoxen Gebete – im wesentlichen ein Christozentrisches Gebet ist, ein Gebet, das an den Herrn Jesus gerichtet ist und sich auf ihn konzentriert. Diejenigen, welche mit der Tradition des Jesus-Gebetes groß geworden sind, dürfen nie auch nur für einen Augenblick den inkarnierten Christus vergessen.

Als Hilfsmittel zum Rezitieren des Gebetes benutzen viele Orthodoxe einen Rosenkranz, der sich in seiner Struktur etwas vom westlichen Rosenkranz unterscheidet; ein orthodoxer Rosenkranz ist oft aus Wolle hergestellt, damit er, im Gegensatz zu einer Perlenkette, kein Geräusch verursacht.

Das Jesus-Gebet ist ein Gebet von wunderbarer Vielseitigkeit. Es ist ein Gebet für Anfänger, aber auch ein Gebet, das in die tiefsten Mysterien des kontemplativen Lebens hineinführt. Es kann von jedem, zu jeder Zeit und an jedem Ort gebetet werden: beim Schlangestehen, beim Gehen, auf Reisen im Bus oder im Zug, bei der Arbeit, wenn man nachts nicht schlafen kann; in Zeiten besonderer Unruhe, wenn es unmöglich ist, sich auf andere Gebetsformen zu konzentrieren. Doch während selbstverständlich jeder Christ dieses Gebet so in einzelnen Augenblicken verrichten kann, ist es etwas anderes, wenn man es mehr oder weniger ununterbrochen rezitiert und die körperlichen Übungen anwendet, die damit verbunden sind. Religiöse orthodoxe Autoren bestehen darauf, dass jene, die das Jesus-Gebet systematisch betreiben, sich möglichst der Leitung eines erfahrenen Beraters unterstellen und nichts aus eigenem Antrieb tun sollten.

Für manche kommt eine Zeit, in der das “Jesus-Gebet ins Herz gelangt”, so dass es nicht mehr durch eine bewußte Anstrengung gesprochen, sondern aus sich selbst heraus spontan rezitiert wird, indem es andauert, auch dann, wenn ein Mensch spricht oder schreibt, wenn es in seinen Träumen gegenwärtig ist und er am Morgen davon aufwacht. Mit den Worten des Heiligen Isaac des Syrers können wir sagen: “Wenn der Geist seinen Wohnsitz in einem Menschen aufgeschlagen hat, hört er nicht auf zu beten, denn der Geist wird ständig in ihm beten. Dann wird das Gebet nicht von seiner Seele abgeschnitten werden, weder wenn er schläft, noch wenn er wacht; sondern wenn er ißt und trinkt, wenn er sich hinlegt oder wenn er irgend eine Arbeit verrichtet, sogar wenn er in Schlaf gesunken ist, werden die Düfte des Gebetes spontan in seinem Herzen atmen” (“Mystische Abhandlungen”, Hrsg. Wensinck, Seite 174).

Die Orthodoxen glauben, dass die Macht Gottes im Namen Jesu gegenwärtig ist, so dass die Anrufung dieses göttlichen Namens als “wirksames Zeichen von Gottes Handeln, als eine Art Sakrament” wirkt (Ein Mönch der Ostkirche, “Das Jesus-Gebet”, Chevetogne, 1952, S. 87). “Der Name Jesus, der im menschlichen Herzen gegenwärtig ist, teilt ihm die Macht der Vergöttlichung mit … Indem es durch das Herz hindurch leuchtet, erhellt das Licht des Namens Jesus das ganze Universum” (S. Bulgakov, “Die orthodoxe Kirche”, SS. 170-171).

Sowohl für diejenigen, die es ständig beten als auch für solche, die es nur gelegentlich anwenden, erweist sich das Jesus-Gebet als eine großartige Quelle der Beruhigung und der Freude. Zitat des Pilgers: “Und so fange ich es jetzt an und bete unaufhörlich das Jesus-Gebet, das für mich kostbarer und süßer ist als alles auf der Welt. Manchmal lege ich sogar 43 oder 44 Meilen pro Tag zurück, und ich spüre überhaupt nicht, dass ich gehe. Ich bin mir nur dessen bewußt, dass ich mein Gebet spreche. Wenn ich von der bitteren Kälte durchgefroren bin, fange ich an, mein Gebet ernsthafter zu beten, und schnell wird mir überall warm. Wenn der Hunger beginnt, mich zu überwältigen, rufe ich den Namen Jesus noch öfter an, und ich vergesse mein Verlangen nach Nahrung. Wenn ich krank werde und Rheumatismus in meinem Rücken und in meinen Beinen bekomme, konzentriere ich meine Gedanken auf das Gebet, und ich spüre den Schmerz nicht mehr. Wenn mir jemand Schaden zufügt, muß ich nur denken: “Wie süß ist das Jesus-Gebet!”, und die Verletzung und der Ärger vergehen beide, und ich vergesse alles… Ich danke Gott, dass ich nun die Bedeutung jener Worte verstehe, die ich in der Epistel gehört habe – “Bete ohne Unterlaß” (1 Thess. 5:17) (“Der Weg eines Pilgers”, Seite 17-18).

 

Aus meinem Buch “Das Neue Jesusgebet”:

1. Das Jesusgebet erlernen

Altabt Emmanuel Jungclaussen

Das Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, ist ein besonders in der Orthodoxen Kirche weit verbreitetes Gebet, bei dem ununterbrochen der Name Jesu Christi angerufen wird. Altabt Emmanuel Jungclaussen (Niederaltaich) ist der wohl bekannteste Lehrer dieser Gebetsform in Deutschland.

Denjenigen, die den Weg des Jesusgebetes gehen wollen, empfiehlt Abt Emmanuel folgende fünf Punkte zu beachten. Gut wäre auch – wenn möglich – ein Seelsorger, der selber Erfahrungen mit dem Gebet gemacht hat, als geistlicher Begleiter auf dem Weg des Erlernens. – Die Empfehlung von Altabt Emmanuel:

Ganz Christus gehören

Wer den Weg des Jesusgebetes gehen will, muss sich als erstes über seine Motive klar werden. Der Pilger ging ihn im Gehorsam gegenüber dem Wort der Bibel “Betet ohne Unterlass” (l Thess 5, 17).

So darf auch ich letztlich das Jesusgebet nur üben aus dem Verlangen heraus, Christus zu gehorchen, um – durch die innere Umwandlung mittels dieses Gebetes – Ihm ganz zu gehören, und nicht etwa, um in erster Linie etwas für mich zu haben und geistlich genießen zu können, mit dem geheimen Wunsch, dadurch der Probleme des Alltags enthoben zu sein.

Christus hören

Solches Gehorchen-Wollen setzt voraus, dass ich mit allem Ernst anfange, auf Christus zu hören, und daher versuche, durch die regelmäßige Lesung des Neuen Testamentes, zumal der vier Evangelien, mich mit Seinem Wort und Seiner Person immer mehr vertraut zu machen. Auf diese Lesung sollte ich mindestens genau so viel Zeit verwenden wie auf die Übung des Jesusgebetes.

Behutsam anfangen

Was nun die Übung selbst anbetrifft, so geht es dabei um einen sehr behutsamen Anfang, indem ich zunächst täglich eine kurze Zeitspanne von etwa 7 – 10 – 15 Minuten für das Jesusgebet ausspare, die ich später auf ungefähr 30 Minuten ausdehnen kann, ein- oder zweimal am Tag.

Von diesen Zeiten eigens festgesetzter Übung wird sich dann das Jesusgebet wie von selbst ganz allmählich über den Tag hin ausbreiten. Auf keinen Fall sollte man das gewaltsam zu erzwingen suchen. Es wird bald ohnehin genügend Situationen in meinem Leben geben, in denen das Jesusgebet sich mir geradezu aufdrängt.

Auf den Atem lauschen

Die körperliche Haltung während der eigentlichen Übungszeit sei aufrecht sitzend, gesammelt, aber nicht verkrampft – auf einem Stuhl, auf dem Boden, in einer Kirchenbank. Man kann auch knien. Wichtig ist, dass ich die Haltung als Gebetshaltung bewusst und ehrfurchtsvoll einnehme, im Gedanken daran, dass Christus mir dabei innerlich näher ist als ich mir selbst.

So lausche ich auf meinen Atem, gleichsam als dem Odem Gottes in mir, und lasse vom Atem her, wie vom Heiligen Geist selber rein innerlich gesprochen, in einem beständige Fließen ruhig und sanft die Worte kommen: “Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner!”, wobei sich die Worte bald von allein auf das Ein- und Ausatmen verteilen.

Weg der bedingungslosen Hingabe

Bei aller praktischen Übung ist jedoch zu bedenken, dass die Bitte um das Erbarmen des Herrn der Weg einer bedingungslosen Hingabe ist; denn nur Er weiß wirklich, wessen ich bedarf, um Ihm ganz zu gehören. Dieses Erbarmen kann daher unter Umständen einen äußerst schmerzlichen Läuterungsprozess mit sich bringen. “Jesus” ist alles was wir sagen müssen.

2. Bischof Kallistos Ware Schreibt:

Es gibt eine Art des privaten Gebetes, welche im Westen seit der Gegenreformation weite Verbreitung fand und die nie ein charakteristischer Bestandteil der orthodoxen Spiritualität war – die formale “Meditation”, welche nach einer “Methode” – der ignatianischen, sulpicianischen, salesianischen oder einer anderen – praktiziert wird. Die Orthodoxen werden ermutigt, die Bibel oder die Kirchenväter langsam und mit Überlegung zu lesen; doch solch eine Übung, die zwar insgesamt als hervorragend zu bezeichnen ist, wird weder als Bestandteil des Gebetes betrachtet, noch ist sie systematisiert und zu einer “Methode” reduziert worden. Jedem wird nahegelegt, auf die Art und Weise zu lesen, die ihm am meisten zusagt.

Während jedoch die Orthodoxen keine begriffliche Meditation praktizieren, haben sie eine andere Form des persönlichen Gebetes, welches viele Jahrhunderte hindurch eine außerordentlich wichtige Rolle im Leben der Orthodoxie gespielt hat – das Jesus-Gebet:

“Jesus”- das genügt in unserer Kommanderie

Da den Orthodoxen manchmal nachgesagt wird, dass sie der Person des inkarnierten Christus nicht genug Beachtung schenken, lohnt es sich, darauf hinzuweisen, dass dies – gewiß das “klassischste” aller orthodoxen Gebete – im wesentlichen ein Christozentrisches Gebet ist, ein Gebet, das an den Herrn Jesus gerichtet ist und sich auf ihn konzentriert. Diejenigen, welche mit der Tradition des Jesus-Gebetes groß geworden sind, dürfen nie auch nur für einen Augenblick den inkarnierten Christus vergessen.

Als Hilfsmittel zum Rezitieren des Gebetes benutzen viele Orthodoxe einen Rosenkranz, der sich in seiner Struktur etwas vom westlichen Rosenkranz unterscheidet; ein orthodoxer Rosenkranz ist oft aus Wolle hergestellt, damit er, im Gegensatz zu einer Perlenkette, kein Geräusch verursacht.

Das Jesus-Gebet ist ein Gebet von wunderbarer Vielseitigkeit. Es ist ein Gebet für Anfänger, aber auch ein Gebet, das in die tiefsten Mysterien des kontemplativen Lebens hineinführt. Es kann von jedem, zu jeder Zeit und an jedem Ort gebetet werden: beim Schlangestehen, beim Gehen, auf Reisen im Bus oder im Zug, bei der Arbeit, wenn man nachts nicht schlafen kann; in Zeiten besonderer Unruhe, wenn es unmöglich ist, sich auf andere Gebetsformen zu konzentrieren. Doch während selbstverständlich jeder Christ dieses Gebet so in einzelnen Augenblicken verrichten kann, ist es etwas anderes, wenn man es mehr oder weniger ununterbrochen rezitiert und die körperlichen Übungen anwendet, die damit verbunden sind. Religiöse orthodoxe Autoren bestehen darauf, dass jene, die das Jesus-Gebet systematisch betreiben, sich möglichst der Leitung eines erfahrenen Beraters unterstellen und nichts aus eigenem Antrieb tun sollten.

Für manche kommt eine Zeit, in der das “Jesus-Gebet ins Herz gelangt”, so dass es nicht mehr durch eine bewußte Anstrengung gesprochen, sondern aus sich selbst heraus spontan rezitiert wird, indem es andauert, auch dann, wenn ein Mensch spricht oder schreibt, wenn es in seinen Träumen gegenwärtig ist und er am Morgen davon aufwacht. Mit den Worten des Heiligen Isaac des Syrers können wir sagen: “Wenn der Geist seinen Wohnsitz in einem Menschen aufgeschlagen hat, hört er nicht auf zu beten, denn der Geist wird ständig in ihm beten. Dann wird das Gebet nicht von seiner Seele abgeschnitten werden, weder wenn er schläft, noch wenn er wacht; sondern wenn er ißt und trinkt, wenn er sich hinlegt oder wenn er irgend eine Arbeit verrichtet, sogar wenn er in Schlaf gesunken ist, werden die Düfte des Gebetes spontan in seinem Herzen atmen” (“Mystische Abhandlungen”, Hrsg. Wensinck, Seite 174).

Die Orthodoxen glauben, dass die Macht Gottes im Namen Jesu gegenwärtig ist, so dass die Anrufung dieses göttlichen Namens als “wirksames Zeichen von Gottes Handeln, als eine Art Sakrament” wirkt (Ein Mönch der Ostkirche, “Das Jesus-Gebet”, Chevetogne, 1952, S. 87). “Der Name Jesus, der im menschlichen Herzen gegenwärtig ist, teilt ihm die Macht der Vergöttlichung mit … Indem es durch das Herz hindurch leuchtet, erhellt das Licht des Namens Jesus das ganze Universum” (S. Bulgakov, “Die orthodoxe Kirche”, SS. 170-171).

Sowohl für diejenigen, die es ständig beten als auch für solche, die es nur gelegentlich anwenden, erweist sich das Jesus-Gebet als eine großartige Quelle der Beruhigung und der Freude. Zitat des Pilgers: “Und so fange ich es jetzt an und bete unaufhörlich das Jesus-Gebet, das für mich kostbarer und süßer ist als alles auf der Welt. Manchmal lege ich sogar 43 oder 44 Meilen pro Tag zurück, und ich spüre überhaupt nicht, dass ich gehe. Ich bin mir nur dessen bewußt, dass ich mein Gebet spreche. Wenn ich von der bitteren Kälte durchgefroren bin, fange ich an, mein Gebet ernsthafter zu beten, und schnell wird mir überall warm. Wenn der Hunger beginnt, mich zu überwältigen, rufe ich den Namen Jesus noch öfter an, und ich vergesse mein Verlangen nach Nahrung. Wenn ich krank werde und Rheumatismus in meinem Rücken und in meinen Beinen bekomme, konzentriere ich meine Gedanken auf das Gebet, und ich spüre den Schmerz nicht mehr. Wenn mir jemand Schaden zufügt, muß ich nur denken: “Wie süß ist das Jesus-Gebet!”, und die Verletzung und der Ärger vergehen beide, und ich vergesse alles… Ich danke Gott, dass ich nun die Bedeutung jener Worte verstehe, die ich in der Epistel gehört habe – “Bete ohne Unterlaß” (1 Thess. 5:17) (“Der Weg eines Pilgers”, Seite 17-18).

Aus meinem Buch “Das Neue Jesusgebet”:

Vorwort

Das Jesusgebet ist eines jener Gebete, die die Christenheit von ihrem Anbeginn wie ein Mantra begleitet haben. Und wegen seiner Einfachheit beginnt es sich auch heute bei uns im Westen wieder größerer Beliebtheit zu erfreuen. Was ist dann „neu“ an diesem Gebet? Das alte Gebet wird in diesem Buch in einem neuen mythischen und spirituellen Gesamt-zusammenhang gestellt, der wie wir glauben, eine zeitgemäßere Art ist, von christlicher Mystik im 3. Jahrtausend zu reden und uns nach Hause zu bringen.

Das traditionelle Christentum befindet sich zumindest in Europa auf dem Rückzug. Die evangelische Kirche wurde in 2014 von mehr als 200 000 Gläubigen verlassen. Ich bin evangelisch aufgewachsen und habe ein paar Jahre als Diakon in einer Gemeinde gearbeitet. Dann verließ ich die aktiven Gemeindearbeit, weil ich über unseren Umgang miteinander enttäuscht war. Ich hatte dann über viele Jahre andere spirituelle Traditionen der Welt studiert, um eine Beschleunigung auf dem Weg zu Gott zu finden. Aber die einzige ´“Beschleunigung“, von der ich heute weiß, steht noch immer in dem kleinen Büchlein, das mir österreichische Studenten im Oktober 1985 auf einem fast leeren ungarischen Zeltplatz geschenkt hatten. Dieses Buch war dem Jesusgebet gewidmet. Heute gehe ich wieder öfters zu einem Gottesdienst in der deutschen Gemeinde hier in Barcelona. Ich sehe zwar einige Dinge anders, als die Kirche, aber das hindert mich nicht, mich an dem inneren Licht im Gottesdienst und an den Begegnungen zu erfreuen, die dort geschehen. Können wir dieses Licht in unseren Alltag tragen und auf seinen unsichtbaren Strahlen in die Sphären der Wahrheit aufsteigen, während wir noch hier auf der Erde leben? Ich glaube ja. In meiner Abwesenheit von der normalen Welt habe ich besondere Leute getroffen, die mir diesen Weg gezeigt haben. Von einem solchen Pfad für die neue Zeit handelt dieses Buch. Es ist mir jedoch nicht möglich einen Weg von A nach B zu beschreiben. Ich kann nur anregen, inspirieren und motivieren. Der Weg entsteht bei jedem Schüler selbst auf einzigartige Weise. Man kann eigentlich sagen, wie es auch geschrieben steht, dass Jesus der Weg ist. Das Wichtigste ist die persönliche Praxis. Und irgendwann wird der Schüler vielleicht merken, dass er das Ziel, den inneren Frieden, erreicht hat, einen Frieden, den die Welt nicht erschüttern kann.

  1. Einführung

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Sie morgens eigentlich aus dem Bett treibt? Tun sie es aus purer Gewohnheit. Oder haben Sie manchmal Gedanken wie „Wenn ich nicht zur Arbeit gehe, dann bricht hier alles zusammen“, oder Zukunftwünsche wie „Meinen Kindern soll es einmal besser gehen“ oder „In zehn Jahren können wir uns vielleicht ein Haus kaufen“? Oder steigen Sie aus einem Gefühl reiner Liebe aus dem Bett? Sagen sich sich vielleicht Sätze wie: „Heute will ich nur die Liebe Gottes in die Welt ausdehnen, denn alles was ich gebe, ist für immer mein Eigen“? Die Leute, die solche Gedanken beständig denken, brauchen ein Buch wie dieses nicht mehr.

Was auch immer uns hier als Menschen normalerweise antreibt, wir hinterfragen selten unsere Ängste und unsere Hoffnungen. Würden wir das tun, müssten wir vielleicht zugeben, dass sowohl unsere Ängste als auch unsere Hoffnungen eher persönlicher Natur sind und oft wenig mit der Welt da draußen zu tun haben. Generell können wir sagen, dass die Welt unsere Hoffnungen auf Glück und Frieden nur selten erfüllt und dass wir auch nicht die Mittel in unseren Händen haben, um dies zu kontrollieren. Gibt es einen anderen Ausweg, als es immer wieder zu versuchen, bis wir alt und müde geworden sind und uns mit dem Wenigen begnügen, das uns das Leben noch bietet? Ich glaube, dass der Pfad des Jesusgebets, so wie er hier dargelegt wird, der Katalysator sein kann, der einen Geistes-wandel in uns auslöst und in die richtigen Bahnen lenkt. Glück und Frieden können so in unserem Leben Einlass finden, ganz unabhängig davon, was in der Welt zu geschehen scheint. Es geht uns also bei diesem und jedem anderen tiefgründigen spirituellen Training um die Umwandlung des Menschen, damit er werden kann, als was er eigentlich von Gott gedacht war. Wir im Christentum verstehen uns nicht wie in anderen Religionen als die Knechte Gottes, sondern seine Kinder. Diese Kindschaft gilt es heute wieder in Anspruch zu nehmen. Aber werfen wir einmal einen kurzen Blick auf die Welt in der wir leben.

Das Untergemach

Das Wort „Untergemach“ steht in der hier vorgestellten christlichen Tradition, die sich mit der mystischen Bedeutung der Kommunion beschäftigt, für diese Welt. Wir leben in einer Welt, die in den letzten Jahren immer verrückter geworden ist. Lange Zeit war es selbstverständlich, dass Eltern für ihre Kinder in der Zukunft eine bessere Welt erhofften. Aber wer kann dies heute noch vernünftigerweise tun? Die Nachrichten sind im Jahre noch 2014 düsterer geworden, als sie es seit dem September 2001 waren. Jetzt im neuen Jahr 2015 gibt es mehrere neue Krisenherde in Nahost, in den arabischen und afrikanischen Staaten und im Mittelmeer.

Der „Islamische Staat“ wird uns noch lange im Atem halten, sowohl in Nahost, wie auch hier in Europa. Ein deutsches Flugzeug stürzte vom Himmel, weil der Copilot dachte, Selbstmord sei der letzte Ausweg. Auf einmal hat sich die Verriegelung der Cockpittür, die nach 9/11 eingeführt wurde, in einen Alptraum verwandelt. Und das ist ja nur eine Momentaufnahme. Das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer wird im Sommer wohl noch weiter anschwellen, mit mehr Toten, mehr Ratlosigkeit, mehr gestrandeten Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen. Sao Paulo geht derweil das Wasser aus, und wir werden viellicht in ein paar Monaten den ersten Kollaps einer 20 Millionen Stadt erleben, wenn sich der Regengott nicht doch noch erbarmt und den sonst regenreigen, aber jetzt abgeholzten Süden Brasilien heimsucht. Wer sich all diese Nachrichten mit einem offenen Geist und Herzen anschaut, der mag den Eindruck bekommen, dass wir in einem Tollhaus gelandet sind. Irgendetwas scheint mit uns Menschen vollkommen daneben gegangen zu sein. Das wird in der biblischen Tradition als der „Fall“ bezeichnet. Trotz all der Menschen, die es gut meinen und sich aufopfern für andere, sieht die Welt so aus wie sie jetzt aussieht. Wir können mit Zorn auf ihren Zustand reagieren, mit Trauer oder mit Gleichgüldigkeit. Wir können uns von ihr abwenden und betäuben. Aber wir können uns nicht weigern auf das reagieren, was um uns geschieht.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s